Umfrage Landeshauptstadt Magdeburg Stadtentwicklung und Ländlicher Raum

Umfrage zur Gestaltung des Gebiets "Große Münzstraße" (Parkplatz bei Galeria)

  • Status Kürzlich beendet
  • Zeitraum 15.01.2026 bis 12.02.2026
  • Teilnehmer 503 Teilnehmer
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Titelbild für die Beteiligung am Bebauungsplanverfahren "Große Münzstraße" © AG.URBAN

Derzeit befindet sich das Bebauungsplanverfahren 233-1 „Große Münzstraße“ im Herzen der Magdeburger Innenstadt in der Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Areal, das heute überwiegend als Parkplatz zwischen dem Breiten Weg und der Otto-von-Guericke-Straße genutzt wird, soll sich in den kommenden Jahren zu einem lebendigen, grünen und zukunftsfähigen Stadtquartier entwickeln.

Grundlage der Planung ist der Rahmenplan Innenstadt 2035+, den der Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg im Jahr 2022 beschlossen hat. Darin wird das Bebauungsplangebiet „Große Münzstraße“ als Vertiefungsbereich mit besonderem Zukunftspotenzial ausgewiesen.

Klicken Sie sich durch die Umfrage, informieren Sie sich über den aktuellen Planungsstand und geben Sie Ihre Stimme ab, welche Bebauungsvarianten Ihnen am besten gefallen. Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung!

Fazit

Ergebnisse der Online-Befragung

Die Online-Beteiligung fand vom 15.01.26 bis 12.02.26 statt. Insgesamt haben 503 Personen teilgenommen. Diese Online-Beteiligung ist ein wesentlicher Baustein der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Zukunft des Plangebiets "Große Münzstraße". Ende Januar 2026 fanden zusätzlich fünf Präsenzveranstaltungen zur Information und Mitwirkung am Bebauungsplan Nr. 233-1 – Große Münzstraße statt. Die Ergebnisse aller Beteiligungsveranstaltungen folgen in Kürze und werden auf www.magdeburg.de abrufbar sein. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Online-Beteiligung zusammenfassend dargestellt und erläutert. 


Übersicht über die Stadtquartiere

 

Stadtquartier 1 – Bebauungsvarianten

Variante 1.1 (Bebauung bis Große Münzstraße)

  

Variante 1.2 (Bebauung mit Quartiersplatz)

  

Die beiden Varianten im Vergleich

Das Abstimmungsergebnis zeigt eine nahezu gleichmäßige Verteilung der Präferenzen. Die leichte Mehrheit für Variante 1.1 (Bebauung bis Große Münzstraße) stützt sich in den Begründungen vorrangig auf die Notwendigkeit einer urbanen Verdichtung sowie auf den funktionalen Lärmschutz gegenüber der Hauptverkehrsachse. Zudem wird mehrfach auf eine bereits ausreichende Anzahl öffentlicher Plätze in der Umgebung verwiesen.

Die Befürwortenden der Variante 1.2 (Bebauung mit Quartiersplatz) argumentieren hingegen maßgeblich mit dem Bedarf an innerstädtischen Grünflächen, einer Verbesserung des lokalen Mikroklimas und der Schaffung einladender Begegnungsräume.

Ungeachtet der städtebaulichen Variante zeigt sich in den qualitativen Rückmeldungen ein Konsens hinsichtlich der architektonischen Ausführung: Es wird sich eine kleinteilige, sich an historischen Vorbildern orientierende Fassadengestaltung gewünscht, während rein funktionale, moderne Blockstrukturen von den Teilnehmenden mehrheitlich abgelehnt werden.

Stadtquartier 2 – Bebauungsvarianten

Variante 2.1 (Bebauung mit großem Quartiersplatz)

   

Variante 2.2 (Bebauung mit kleinem Quartiersplatz)

   

Variante 2.3 (Bebauung bis Große Münzstraße/Planstraße)

   

Die beiden Varianten im Vergleich

Das Meinungsbild zum Stadtquartier 2 fällt gemischt aus, wobei die geschlossene Bebauung bis zur Straße (Variante 2.3) die stärkste Zustimmung erhält. Diese Präferenz wird durch Teilnehmende primär damit begründet, dass im unmittelbaren Umfeld bereits genügend öffentliche Freiräume existieren und stattdessen eine urbane Verdichtung zur Stärkung klassischer Straßen- und Gassenstrukturen gewünscht wird.

Die Befürwortenden der Varianten mit kleinem Vorplatz (2.2) oder großem Quartiersplatz (2.1) fokussieren sich hingegen auf den Bedarf an innerstädtischem Grün, Entsiegelung und Flächen für Begegnung sowie Außengastronomie. Positiv hervorgehoben wird dabei insbesondere die städtebauliche Lösung der Variante 2.2: Die gebrochene, angeschrägte Gebäudeecke wird als gelungenes Element wahrgenommen, das starre Straßenfluchten aufbricht und für visuelle Abwechslung sorgt.

Unabhängig von der städtebaulichen Grundanordnung zeigt sich auch in diesem Quartier ein übergreifender Konsens in der Architekturfrage: Eine rein funktionale, moderne Zweckarchitektur wird von den Teilnehmenden deutlich abgelehnt. Die Befragten fordern stattdessen nachdrücklich eine kleinteilige und historisierende Fassadengestaltung, die das städtebauliche Erbe respektiert und aufgreift.

Stadtquartier 3 – Bebauungsvarianten

Variante 3.1 (Bebauung mit Wohn- und Geschäftshaus)

   

Variante 3.2 (Bebauung mit Parkhaus)

   

Die beiden Varianten im Vergleich 

Die Auswertung zum dritten Stadtquartier zeigt ein eindeutiges Meinungsbild zugunsten der Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses (Variante 3.1). Die Teilnehmenden hier begründen ihre Präferenz primär mit der strikten Ablehnung eines oberirdischen Parkhauses. Derartige Zweckbauten werden von ihnen als unzeitgemäß empfunden, da sie nach Ansicht vieler Befragter wertvolle Flächen verschwenden und zu unebenen, „toten“ Stadträumen ohne Aufenthaltsqualität führen. Zudem wird mehrfach argumentiert, dass umliegende Parkhäuser oftmals nicht vollständig ausgelastet seien und das Quartier sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist. Anstelle von oberirdischen Parkbauten wird von vielen die Schaffung von Tiefgaragen gefordert, um den knappen städtischen Raum für Wohnen und Gewerbe zu nutzen.

Die Befürwortenden der Variante 3.2 (Parkhaus) stützen ihre Wahl hingegen auf klare wirtschaftliche und infrastrukturelle Notwendigkeiten. Aus ihrer Sicht muss der Wegfall des aktuellen ebenerdigen Parkplatzes zwingend durch neue Kapazitäten kompensiert werden. Dies sei essenziell, um den angrenzenden Einzelhandel zu stützen und die Innenstadt auch für Besucherinnen und Besucher aus dem Umland attraktiv und erreichbar zu halten.

Ungeachtet der präferierten Nutzungskonzeption äußern die Befragten lagerübergreifend Kritik an den Entwürfen selbst. Moderne, rein funktionale Baukörper werden als monoton und störend abgelehnt. Der bereits in den vorherigen Quartieren geäußerte Wunsch nach einer kleinteiligen, sich an historischen Vorbildern orientierenden Architektur sowie nach integriertem Stadtgrün wird auch für dieses Baufeld als zentrale Bedingung für eine gelungene Stadtentwicklung genannt.


Städtebau im Quartier

Gebäudehöhen im Quartier

 

Bei der Frage nach der idealen Gebäudehöhe zeigten die Teilnehmenden eine leichte Präferenz für eine maximale Bebauung von fünf bis sechs Geschossen. Viele der Befragten äußerten jedoch den Wunsch nach keiner festen, einheitlichen Traufhöhe für das gesamte Areal. Stattdessen kristallisiert sich in den Kommentaren ein differenzierter Kompromiss heraus: Entlang der breiten Hauptverkehrsachsen – insbesondere der Otto-von-Guericke-Straße – wird eine höhere, großstädtische Bebauung (fünf bis sechs oder sogar mehr Geschosse) befürwortet, um die Grundstücksflächen effizient für neuen Wohnraum zu nutzen und Lärm abzuschirmen. Im ruhigeren Inneren der Quartiere und in den schmaleren Gassen werden hingegen drei- bis viergeschossige Gebäude gefordert, um eine intimere, altstadttypische Atmosphäre zu erzeugen, die fußgängerfreundlicher wirkt und mehr Sonnenlicht zulässt.

Zusätzlich zur reinen Etagenanzahl lehnen viele der Teilnehmenden monotone Flachdach-Landschaften und starre Blockstrukturen ab. Gefordert wird stattdessen eine abwechslungsreiche Dachgestaltung – etwa durch Schräg- und Mansarddächer oder begrünte Flächen – sowie eine kleinteilige Höhenstaffelung, die das Straßenbild optisch auflockert und sich harmonisch in die umliegende Bebauung einfügt.

Verhältnis zwischen Bebauung und Freiraum

Die Auswertung zum Verhältnis zwischen Bebauung und Freiraum zeigt den deutlichen Wunsch nach einer kompakteren Stadtgestaltung. Die relative Mehrheit der Befragten empfindet die Entwürfe als nicht dicht genug und wünscht sich ein urbaneres Erscheinungsbild, dicht gefolgt von der Gruppe, die das aktuelle Verhältnis als genau richtig und angemessen bewertet. Lediglich ein kleinerer Teil nimmt die Planungen als zu dicht bebaut wahr und fordert mehr Freiflächen.

Ein zentrales und wiederkehrendes Argument für die Nachverdichtung ist, dass die Magdeburger Innenstadt - bedingt durch die Nachkriegsarchitektur - bereits ein Übermaß an weitläufigen, oft ungenutzten Freiflächen und überdimensionierten Straßen aufweist. Die in den Entwürfen teilweise vorgesehenen zusätzlichen „Quartiersplätze“ werden daher von vielen Teilnehmenden als überflüssig kritisiert. Statt weiterer offener und großer Plätze fordern die Befragten eine Rückbesinnung auf den historischen Stadtgrundriss. Gewünscht werden dabei schmale, verwinkelte und gemütliche „Altstadtgassen“, die zum Flanieren einladen, ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln und autofrei gestaltet sind.

Bemerkenswert ist dabei die Differenzierung in den Antworten: Urbane Dichte wird von den Teilnehmenden keineswegs mit einer reinen „Betonwüste“ gleichgesetzt. Vielmehr wird betont, dass eine kompakte, an historischen Vorbildern orientierte Blockrandbebauung zwingend mit intelligenten Begrünungskonzepten einhergehen muss. Schattenspendende Straßenbäume, bepflanzte Fassaden und grüne Innenhöfe werden als häufig erwähnt, um Aufenthaltsqualität zu schaffen und das Quartier klimatisch zukunftsfähig zu gestalten.

Bebauung im Plangebiet 

Das Abstimmungsergebnis zur gewünschten Bebauung zeigt ein zweigeteiltes Meinungsbild: Zwar findet die grundsätzliche städtebauliche Anordnung der gezeigten Varianten bei gut der Hälfte der Befragten Zustimmung, jedoch nutzt ein fast identisch großer Anteil die offene Antwortmöglichkeit, um deutliche gestalterische Anpassungen zu fordern.

Aus der Fülle der über 250 Kommentare (Option "Sontstiges") kristallisiert sich erneut ein großer Wunsch nach einer Rückbesinnung auf historische Bauformen und altstadttypische Strukturen heraus. Die Befragten fordern nachdrücklich die Abkehr von einer rein orthogonalen, modernen Architektur ("Investorenarchitektur"), die häufig mit Flachdächern und monotonen Blockstrukturen assoziiert wird. Stattdessen wird eine kleinteilige, individuell parzellierte Bebauung im Stil einer traditionellen Altstadt favorisiert. Konkret wünschen sich die Teilnehmenden abwechslungsreiche Fassadengestaltungen mit klassischen Elementen, vielfältige Dachlandschaften (insbesondere Schräg- oder Mansarddächer) sowie den Verzicht auf schnurgerade Sstraßen zugunsten leicht verwinkelter Gassen. Als positive Vorbilder für dieses Areal werden dabei wiederholt erfolgreiche Rekonstruktionsprojekte wie das Dom-Römer-Areal in Frankfurt am Main, der Neumarkt in Dresden oder die historische Mitte Potsdams angeführt.

Zusätzlich wird vielfach die Integration historischer Fragmente (beispielsweise der Erhalt alter Kellergewölbe) oder die gezielte Rekonstruktion identitätsstiftender Leitbauten gefordert, wie etwa des Geburtshauses von Otto von Guericke oder der alten Freimaurerloge. Zusätzlich soll die altstädtische Bebauung noch mit klimaresilienten Konzepten wie dem Schwammstadt-Prinzip, umfangreichen Dach- und Fassadenbegrünungen sowie unterirdischen Parklösungen kombiniert werden, um eine hohe Aufenthaltsqualität zu gewährleisten.


Öffentlicher Raum im Quartier

Lage des Quartiersplatzes 

 

Bei der Frage nach der idealen Lage eines neuen Quartiersplatzes zeigt sich ein äußerst zersplittertes Meinungsbild. Zwar erhält die innenliegende Lage B im Stadtquartier 2 den relativen Vorzug vor der an der Hauptstraße gelegenen Lage A im Stadtquartier 1.

Sehr viele Teilnehmende nutzten jedoch die Option "Sonstiges". Eine signifikante Anzahl der Befragten lehnt dabei die Schaffung eines neuen Quartiersplatzes an diesen beiden vorgeschlagenen Standorten gänzlich ab. Als Begründung wird wiederholt angeführt, dass das direkte Umfeld (wie der Alte Markt, der Platz am Blauen Bock oder der Ratswaageplatz) sowie die ohnehin entstehenden Freiflächen am Galeria-Gebäude bereits ein Überangebot an weiten Platzsituationen bieten. Statt weiterer offener und potenziell ungenutzter „Leerräume“ wird eine eine dichte, urbane Bebauung mit gemütlichen, schmalen Gassen gefordert.

Bei einer Entscheidung zwischen den Varianten, fällt die Wahl zumeist aus funktionalen Gründen auf Lage B. Dieser Standort im Inneren des Quartiers wird als deutlich ruhiger und gemütlicher wahrgenommen, da die umliegende Bebauung den Verkehrslärm und Wind der stark befahrenen Otto-von-Guericke-Straße abschirmt. Lage A wird von Kritikern eben wegen dieser Lärm- und Abgasbelastung als Standort mit geringer Aufenthaltsqualität eingestuft, auch wenn einige Befürwortende darin ein gelungenes, sichtbares „Eingangstor“ in das neue Viertel sehen.

Zusätzlich bringen viele Befragte historische und strukturelle Alternativen in die Standortdebatte ein: Es wird vielfach gefordert, einen potenziellen Platz nicht architektonisch willkürlich zu positionieren, sondern exakt dort wiederaufzubauen, wo sich vor der Zerstörung der historische „Georgenplatz“ befand. Ebenfalls wird die Möglichkeit genannt die Freiflächen direkt am Karstadt-Gebäude als zentralen Raum aufzuwerten, um so eine direkte Verbindung zur Fußgängerzone und dem Blauen Bock zu schaffen.

Ausstattung für den Platz 

Viele Befragten wünschen sich lebendige, begrünte und konsumfreie Aufenthaltsorte. Zudem wünschen sich viele Sitzplätze und Außenterrassen für die Gastronomie sowie allgemein nutzbare Sitzbänke und Verweilmöglichkeiten.

Ein zentrales Anliegen der Befragten in den Kommentaren ("Weiteres") ist zudem die Stärkung der städtischen Klimaresilienz. Eine weitere Flächenversiegelung lehnen viele ab und fordern stattdessen die Entsiegelung von Flächen, den Einsatz wassergebundener Decken, großzügige Grün- und Blühflächen sowie die Pflanzung von schattenspendenden, hitzeresistenten Großbäumen – ganz im Sinne des Schwammstadt-Prinzips. Ein weiteres, sehr prominentes Thema in den Kommentaren ist das Element Wasser: Wasserspiele, historische Springbrunnen und Nebelduschen werden vielfach gewünscht, um die Flächen nicht nur optisch aufzuwerten, sondern auch an heißen Sommertagen spürbar abzukühlen und potenziellen Verkehrslärm zu überlagern.

Bezüglich der Gestaltungselemente wiederholt sich der aus den vorherigen Fragen bekannte Wunsch nach historischer Identität: Die Befragten präferieren Natursteinpflaster, historische Straßenlaternen und klassische Kunstwerke oder Denkmäler – beispielsweise zur Ehrung von Otto von Guericke.

Bei Aktionsflächen wie Skateparks wird von einigen Befragten auf eine mögliche Lärmbelästigung der Anwohnenden verwiesen. Wenn Aktivzonen gewünscht werden, dann eher in Form von dezenten, in die Natur integrierten Elementen.

Gründächer

Der Frage nach einer verpflichtenden Festsetzung von Gründächern im Bebauungsplan stehen die Befragten geteilt gegenüber. Zwar befürwortet eine relative Mehrheit diese Vorgabe, jedoch äußern viele in den Kommentaren Vorbehalte oder knüpfen die Zustimmung an klare Bedingungen.

Aus den freien Antworten ("Sonstiges") geht hervor, dass die Zurückhaltung bzgl. Gründächern weniger einer Ablehnung von Klimaschutzmaßnahmen entspringt, sondern vielmehr auf architektonischen Bedenken basiert. Viele Teilnehmende befürchten, dass die Festsetzung von Gründächern unweigerlich zu einer monotonen Flachdach-Landschaft führen würde, die dem vorher so häufig gewünschten Altstadtcharakter des Viertels widerspricht. In den Kommentaren wird wiederholt die Sorge geäußert, dass begrünte Flachdächer in der Praxis oft nicht so attraktiv wirken wie in Planungsanimationen und stattdessen eher als "Augenwischerei" empfunden werden.

Die Befragten fordern teilweise eine abwechslungsreiche und historisch orientierte Dachgestaltung. Oft genannt werden klassische Ziegeldächer, Sattel- und Mansarddächer sowie Giebel und Gauben, die das Straßenbild optisch auflockern und dem Quartier ein "gemütliches", identitätsstiftendes Gesicht verleihen sollen.

Die Kompromisslinie, die sich in den Kommentaren abzeichnet, lautet: Gründächer auf Flachdächern werden durchaus befürwortet, jedoch nur auf einem begrenzten Anteil der Gebäude. Für den restlichen, inneren Bereich des Quartiers wird eine verpflichtende Festsetzung von geneigten, altstadttypischen Dächern gefordert.

Zusätzlich bringen einige Befragte alternative oder ergänzende ökologische Maßnahmen in die Diskussion ein, wie zum Beispiel die Kombination von Dächern mit Photovoltaikanlagen. Auch die Nutzung von Dächern als begehbare Dachgärten oder für Gastronomie wird als attraktive Alternative zu rein extensiven Gründächern vorgeschlagen.


Mobilität im Quartier

Standort des Parkhauses

 

Die Abstimmung zeigt, dass die vorgegebenen Standorte A (an der Otto-von-Guericke-Straße) und B (an der Julius-Bremer-Straße) kaum Zuspruch erhalten. Weder Standort A noch Standort B können klar überzeugen. Fast 50 % der Teilnehmenden nutzen die Möglicheit, bei "Sonstiges" ihre Meinung zu äußern. 

Eine große Mehrheit der Kommentierenden lehnt den Bau eines oberirdischen Parkhauses in diesem zentralen Innenstadtbereich kategorisch ab. Solche Zweckbauten werden wiederholt als architektonische „Monstren“ oder „Bausünden der 70er Jahre“ bezeichnet, welche das angestrebte Altstadtflair und die urbane Aufenthaltsqualität beeinträchtigen würden. Viele Teilnehmende verweisen zudem auf bereits existierende, oftmals nicht ausgelastete Parkhäuser in der direkten Umgebung (z. B. Marietta-Quartier, Allee-Center, City-Carré) sowie auf die hervorragende Anbindung des Areals an den öffentlichen Nahverkehr, was einen weiteren Parkhaus-Neubau überflüssig mache.

Anstelle eines oberirdischen Parkhauses fordern viele Befragte die Errichtung von Tiefgaragen, um den ruhenden Verkehr unsichtbar zu integrieren und die wertvollen oberirdischen Flächen für Wohnen, Kleingewerbe und Begrünung zu nutzen. Auch die Idee von Park-and-Ride-Systemen am Stadtrand wird mehrfach als zukunftsfähigere Alternative für die Verkehrswende genannt.

Sollte sich ein oberirdisches Parkhaus dennoch als absolut unvermeidlich erweisen, wird mehrheitlich der Standort A präferiert. Als Begründung wird angeführt, dass ein Parkhaus an der ohnehin lauten, stark befahrenen Otto-von-Guericke-Straße weniger störend wirken würde als an der ruhigeren Julius-Bremer-Straße und so den Verkehr direkt am Quartiersrand abfangen könnte.

Bedeutung des Autos im Quartier

 

Eine deutliche Mehrheit der Befragten steht der Idee eines autoarmen Quartiers sehr positiv gegenüber: Mehr als drei Viertel gab an, dass ihnen die Idee gefällt oder sehr gefällt. 

Dieser Trend setzt sich bei der Frage, wie der Bereich zwischen dem Kaufhaus und der neuen Bebauung gestaltet sein soll, fort. Hier gab über zwei Drittel der Teilnehmenden an, einen Fußweg zu bevorzugen. 


Nutzungen im Quartier

Zielgruppen

   

Das Abstimmungsergebnis zeigt den Wunsch, möglichst viele Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen, wobei Familien die mit Abstand höchste Priorität genießen. Aus den Kommentaren ("Sonstiges") kristallisiert sich jedoch heraus, dass ein lebendiges Innenstadtquartier keine einzelne Gruppe isoliert bevorzugen oder ausschließen sollte.

Vielmehr wird nachdrücklich eine Durchmischung gefordert, die Menschen aller Altersstufen, Einkommensklassen und Lebensmodelle zusammenbringt. Konkret wird in diesem Zusammenhang der Mangel an bezahlbarem Wohnraum (inklusive Sozialwohnungen) sowie an größeren, familientauglichen Einheiten mit vier bis fünf Zimmern in zentraler Lage angesprochen. Neben den Bedürfnissen der direkten Anwohnenden rücken die Kommentierenden auch gezielt Gäste, Tagesbesucher und Touristen in den Fokus, für die das Quartier einladend gestaltet werden soll. Ebenso wird die konsequente Berücksichtigung von Barrierefreiheit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen als wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Inklusion genannt. Der Fokus im neuen Quartier sollte klar auf der alltäglichen Lebensqualität, bezahlbarem Wohnraum und kurzen Wegen und nicht auf Eventflächen oder zusätzlichen Hotelnutzungen, wie einige Teilnehmende kritisch anmerken.

Zukünftige Nutzungen

Die Auswertung der Daten verdeutlicht, dass die Nutzungswünsche recht breit gefächert sind und das Quartier ein vielfältiges Spektrum an Angeboten umfassen soll. Im Vordergrund steht dabei primär der Wunsch nach einer Nutzung durch Gastronomie und Wohnungen. Daneben wünschen sich die viele Befragten aber auch Einkaufsmöglichkeiten, Kulturstätten, Dienstleistungen sowie Grünflächen.

In den Freitextantworten wird dieser Wunsch nach einer lebendigen, urbanen Durchmischung weiter konkretisiert. Vielen der Teilnehmenden ist es ein Anliegen, eine Verödung des Quartiers nach Feierabend und an Wochenenden zu verhindern, weshalb eine Fokussierung auf reine Büronutzungen eher kritisch gesehen wird. Stattdessen regen einige an, abseits großer Ketten, gezielt individuelle, kleinteilige Läden sowie vielfältige Cafés und Restaurants anzusiedeln. Zudem wird mehrfach der Wunsch geäußert, in den oberen Etagen der Gebäude neuen Wohnraum zu schaffen. In diesem Zusammenhang wird häufig das Konzept der Mischnutzung für das Quartier angesprochen. Einige schlagen zudem vor, das Viertel besonders fußgängerfreundlich zu gestalten. Solche Maßnahmen sollen dazu beitragen, das Quartier langfristig und abwechslungsreich zu beleben.

Auch historische und kulturelle Aspekte spielen in den Kommentaren vereinzelt eine Rolle. So kam es zu Vorschlägen, dem historischen Erbe des Ortes Rechnung zu tragen, beispielsweise durch Museen zu dieser Thematik. Ergänzt wird dieses Bild durch einige Wünsche nach sozialen Begegnungsstätten wie internationalen Nachbarschaftstreffs, Vereinsräumen oder speziellen Beratungsangeboten.


Weitere Ideen und Hinweise (Offene Frage)

Die offene Frage nach weiteren Ideen und Hinweisen wurde von den Teilnehmenden sehr intensiv genutzt. Dabei zeigt sich eine starke Fokussierung auf die übergeordnete städtebauliche Vision und weniger auf detaillierte Nutzungskonzepte.

Zentrales Thema der Kommentare ist der auch vorher schon oft geäußerte Wunsch nach einer Rückbesinnung auf die historische Baugeschichte Magdeburgs. Viele Teilnehmende äußern die Befürchtung, dass mit einer rein modernen Architektur ein weiteres „gesichtsloses“ oder „austauschbares“ Areal entstehe, wie es in der nördlichen Innenstadt bereits vielfach wahrgenommen werde.

Statt „kalter“ Blockbebauung wird die Schaffung eines Altstadtviertels gefordert. Als gute Vorbilder werden hierfür immer wieder gelungene Rekonstruktions- und Stadtreparaturprojekte aus anderen Städten zitiert (Bsp.: Neumarkt in Dresden, das Dom-Römer-Areal oder das Gründungsviertel in Lübeck). Auch die Pläne für den Magdeburger Prämonstratenserberg werden als positives Referenzbeispiel für diesen Standort genannt.

Konkret fordern die Teilnehmenden eine stringente kleinteilige Parzellierung, um eine authentische Vielfalt zu gewährleisten. Dazu gehören verbindliche Gestaltungssatzungen, welche historische Dachformen, hochwertige Materialien und klassische Fassadengliederungen vorschreiben. Auch wird die Idee geäußert, Bauteile aus älteren Bauwerken in die neue Architektur zu integrieren oder gar die exakte Fassadenrekonstruktion bedeutender Leitbauten. Auch die Anlage der Straßen und Gassen soll sich an historischen Grundrissen orientieren – enger, verwinkelter und weniger streng orthogonal als in den vorliegenden Visualisierungen.

Ein weiterer, eng damit verknüpfter Schwerpunkt ist die Verkehrswende. Viele Teilnehmende geben an, sich ein autoreduziertes Quartier mit kurzen Wegen zu wünschen, welches somit stark auf Fuß-, Rad- und öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet ist. Die bestehende Julius-Bremer-Straße wird mehrfach als überdimensionierte Schneise kritisiert, deren Rückbau Raum für eine dichtere Bebauung und mehr Aufenthaltsqualität schaffen könnte.

Darüber hinaus wünschen sich viele eine weiterhin intensive und direkte Bürgerbeteiligung, gerade bei der konkreten Architektur- und Fassadengestaltung. Um die geforderte hohe Baukultur zu gewährleisten, schlagen einige vor, deutschlandweite Architektenwettbewerbe auszuschreiben.


Wer hat teilgenommen?

 

Bei den Teilnehmenden dominieren die 30 bis 45-Jährigen, gefolgt von 46 bis 64-Jährigen. Unterrepräsentiert sind die Altersgruppen unter 18 und über 65 Jahre. Bei der Geschlechterverteilung ergab sich ein sehr deutliches Bild: Es nahmen mehr als doppelt so viele männliche Personen an der Umfrage teil als weibliche Personen. 

Diese ungleiche Verteilung muss bei der Verarbeitung und Abwägung der Ergebnisse berücksichtigt werden. 

Herkunft der Teilnehmenden

Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihre Postleitzahl (PLZ) anzugeben, um ableiten zu können, wer sich in dieser Online-Umfrage eingebracht hat. Dabei zeigte sich, dass knapp 100 Personen außerhalb von Magdeburg an der Umfrage teilnahmen. 26 Personen nahmen aus Regionen in Deutschland teil, die nicht dem Magdeburger Umland zuzuordnen sind. Der Großteil der Teilnehmenden gab an, aus Magdeburg zu kommen. Knapp die Hälfte davon gab eine PLZ im Innenstadtgebiet (Altstadt, Buckau, Alte Neustadt, Altstadt, Stadtfeld Ost) an.

   

Abschließend wurden die Teilnehmenden gebeten anzugeben, weshalb sie sich an der Zukunft des Plangebiets "Große Münzstraße" beteiligen. Dabei ergab sich ein gemischtes Bild. Die meisten Befragten gaben an, sich generell für die Entwicklung der Magdeburger Innenstadt bzw. grundsätzlich für Stadtentwicklung zu interessieren. Dadurch lassen sich womöglich die angegebenen PLZ außerhalb von Magdeburg erklären.

Viele begründen ihre Motivation zur Teilnahme damit, dass sie häufig die Innenstadt besuchen. Der kleinste Teil der Befragten gab an, sich aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Wohnort an der Gestaltung des Plangebiets "Große Münzstraße" zu beteiligen, gefolgt von denjenigen, die in der Innenstadt arbeiten.


Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die wertvollen Beiträge!

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Willkommen im Plangebiet "Große Münzstraße"

Mitten in der Magdeburger Innenstadt befindet sich das Bebauungsplangebiet „Große Münzstraße“ (derzeit Parkplatz bei Galeria). Das Plangebiet befindet sich in zentraler innerstädtischer Lage nördlich der Ernst-Reuter- Allee zwischen dem Fußgängerbereich Breiter Weg und der Otto-von-Guericke-Straße. Der Geltungsbereich des Bebauungsplanes umfasst eine 3,2 h große Fläche innerhalb des Stadtteils Altstadt. Aktuell überwiegend als Parkplatz genutzt, bietet das Areal großes Potenzial für die Entwicklung eines lebendigen, grünen und zukunftsfähigen Stadtquartiers.

Bei der Umgestaltung des Gebiets sind folgende Fragen zentral:

  • Wie soll sich das Gebiet rund um die Große Münzstraße künftig entwickeln?
  • Welche Vorstellungen haben Sie von einem neuen Innenstadtquartier?
  • Welche Nutzungen fehlen Ihrer Meinung nach derzeit in der Innenstadt?
  • Wie würden Sie das neue Quartier selbst am liebsten nutzen?

Ihre Einschätzungen und Ideen sind gefragt, um den Bebauungsplan 233-1 "Große Münzstraße" zu entwickeln. 

Verortung des Plangebiets in der Magdeburger Innenstadt. © AG.URBAN
Luftbild vom Plangebiet (Jahr 2024) mit Grenze des räumlichen Geltungunsbereichs (orange) - Bebauungsplan "Große Münzstraße" © LVermGeo
Blick von der Kutscherstraße auf den Parkplatz und die Westseite des Kaufhauses, September 2025 © AG.URBAN

Bisherige Planungen zum Quartier "Große Münzstraße"

Die Planungen für die Umgestaltung des Gebiets rund um die Große Münzstraße haben bereits mit dem Rahmenplan Innenstadt Magdeburg 2035+ begonnen. Darin heißt es:

"In direkter Nachbarschaft zur „Mitte“ stellt die Parkplatzfläche an der Großen Münzstraße einen wenig und sehr einseitig genutzten Stadtraum dar. Die Fläche bietet, als eine der größten freien Flächen in zentraler Lage, das Potenzial, große Mehrwerte für das direkte Umfeld und die Mitte der Innenstadt zu erzeugen.

Als große Parkplatzfläche bietet der Ort durch seine aktuelle Nutzung heute keine Aufenthaltsqualität und auch stadtklimatisch stellt die stark versiegelte Parkplatzfläche ein großes Defizit für das Umfeld dar. Die Hochhausscheibe entlang der Otto-von-Guericke Straße steht weitgehend leer und ist baulich von geringer Qualität. Südlich schließen sich die Bauten des sozialistischen Klassizismus an, die demgegenüber eine bauliche Ikone der Innenstadt darstellen. Gleichzeitig werden mit dem SWM-Hochhaus und dem Hotel an der Julius-Bremer-Straße (ehem. Altstadtkrankenhaus) neue Entwicklungsimpulse gesetzt.

Die Fläche bietet – wie kein zweiter zentraler Stadtraum – das Potenzial im Kern der Innenstadt eine multidimensionale Verdichtung zu erreichen. Ein neues urbanes Stück Innenstadt mit einem hohen stadtklimatischen Wert, einer starken Nutzungsvielfalt (Wohnen, Gastronomie, Gewerbe) und einer zukunftsweisenden Mobilität
kann hier entstehen."

Das Quartier "Große Münzstraße" im Bestand (Quelle: Rahmenplan Innenstadt Magdeburg 2035, S. 95)
Planungen für die "Große Münzstraße": Quartier mit neuen Qualitäten (Quelle: Rahmenplan Innenstadt Magdeburg 2035, S. 95)
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